Herausforderungen der Automobilzulieferindustrie.

Korbinian Sontheim/ 23. Oktober 2019/ Automobilzulieferer-Industrie, Produktgesteuert

Die globale Automobilindustrie steht vor schwierigen Zeiten. Laut der jüngsten Global Automotive Supplier Study von Roland Berger wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 rund 5% weniger Fahrzeuge verkauft als im ersten Halbjahr 2018. Die Hauptgründe für den Umsatzrückgang sind ein schwächerer Autoverkauf in China und eine weltweite Konjunkturabschwächung. Hinzu kommt, dass das Innovationsniveau in der Automobilindustrie einen neuen Höhepunkt erreicht hat, während der Markt vor einem großen Wandel mit neuen Herausforderungen steht. Dies zeigt sich in der Elektrifizierung des Antriebsstrangs, dem autonomen Fahren und neuen Mobilitätskonzepten oder digitalen Technologien.

"Wenn wir weiterhin das tun, was wir so gut gemacht haben, sind wir fertig." - Dieter Zetsche, CEO Daimler

Dies hat natürlich auch enorme Auswirkungen auf die Automobilzulieferindustrie, da Forschungs- und Entwicklungsaufgaben in den letzten Jahren zunehmend von den OEMs in die Verantwortungsbereiche der Automobilzulieferer verlagert wurden. Die Zulieferer werden daher mehr und mehr zum Innovationstreiber und zum Motor der Entwicklung. Kostendruck, neue Technologien und verkürzte Produktentwicklungszyklen bedeuten, dass erhebliche Investitionen getätigt und neue Kompetenzen schneller aufgebaut werden müssen. Eine langfristige Technologie-Roadmap, die strategische Positionierung in der Wertschöpfungskette und Effizienzsteigerungen sind daher für die Zulieferer unerlässlich, um ihre Position im Markt zu behaupten.

Produktinnovationen in der Automobilindustrie

Um die Integration neuer und aktueller Technologien zu ermöglichen und Produkte zunehmend und flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden zuzuschneiden, sind die Zulieferunternehmen gefordert, Entwicklungsprojekte effektiver und effizienter zu managen. Dies ist in einem Umfeld mit immer mehr internationalen Kooperationsnetzwerken eine besondere Herausforderung. Diese zunehmende Komplexität an allen Enden hat enorme Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Lieferkette selbst und damit des OEM. Koordinierungsprozesse dauern Wochen statt Tage, Informationen gehen verloren und Innovationen bleiben aufgrund unflexibler Prozesse ungenutzt.

"Innovationen sind der wichtigste Schlüssel für Automobilzulieferer, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen". - VDA

In diesem Zusammenhang spielt der Datenaustausch eine enorm wichtige Rolle. Heutzutage basiert dieser weitgehend auf veralteten Methoden mit mehreren manuellen Schritten, was in der Regel zu Ineffizienz und Sicherheitsproblemen führt. Dies bindet auch bei komplizierten Datentransferaktivitäten und ineffizienten Abstimmungsprozessen wertvolle personelle Ressourcen, die anderweitig gewinnbringend eingesetzt werden könnten. Infolgedessen lassen sich Verzögerungen bei Prozessen wie Angebotsanfragen, Änderungsmanagement und Management von Korrekturmaßnahmen nicht vermeiden. Um in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen OEMs und Zulieferer den Daten-Workflow in Zusammenarbeit automatisieren und so viele manuelle Prozesse wie möglich eliminieren. Ziel ist es, die wertvollen und teuren Ressourcen der Mitarbeiter produktiver zu nutzen und sie in höherwertigen Tätigkeiten einzusetzen.

Herausforderungen für Automobilzulieferer im Anforderungsmanagement

Die Planung, Koordination und Verfolgung von Projekten und die Zusammenarbeit in komplexen und verteilten Lieferketten war schon immer eine organisatorische Herausforderung. Dies gilt auch für das Anforderungsmanagement, das für die gesamte Lieferkette, insbesondere aber für Automobilzulieferer, große Herausforderungen in Bezug auf Abstimmungs- und Veränderungsprozesse mit sich bringt.

Systemheterogenität und manuelle Prozesse als Grund für schlechte Datenqualität und Ineffizienz

Eine der Herausforderungen, die sich identifizieren lassen, ist die zunehmende Systemheterogenität im Bereich der Anforderungsmanagementsysteme und die damit verbundenen Schnittstellenprobleme. Während noch bis vor wenigen Jahren ein einziges System, 'DOORS' von IBM, industrieweit eingesetzt wurde, hat das Aufkommen solcher Systeme in der jüngsten Vergangenheit massiv zugenommen. Der Hauptgrund ist, dass DOORS als quasi-industrieller Standard nicht mehr weiterentwickelt wird und von IBM nicht mehr unterstützt wird. Aus diesem Grund sucht die Industrie zunehmend nach neuen Lösungen. Sei es DOORS NG, der Nachfolger von DOORS, CodeBeamer von Intland Software oder Windchill von PTC. Die Palette solcher Systeme, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden, nimmt ständig zu. Trotz des branchenweiten ReqIF-Standards , der den Austausch der benötigten Daten in der Automobilindustrie unterstützt, stellt dies viele Automobilzulieferer vor große Herausforderungen. Der mit der Systemvielfalt verbundene Medienbruch führt in der Regel zu einer schlechten Datenqualität und erhöht das Risiko des Informationsverlustes. Auch der jüngste ReqIF-Benchmark im Auftrag des ProSTEP iViP Vereins und des VDA (Verband der Automobilindustrie) ahmt diese Sorge nach. Wie gut die Anforderungsmanagement-Daten übertragen werden und welche Qualität sie letztlich haben, hängt stark von der Kombination der Anforderungsmanagementsysteme ab. Der Grund dafür, dass in diesen Systemen die gleichen Informationen unterschiedlich dargestellt werden, liegt in den unterschiedlichen Ansätzen für die Anforderungsmanagementprozesse und den unterschiedlichen Funktionalitäten der Anforderungsmanagementsysteme.

-Anforderungsmanagement-Prozess -

Ein weiterer Grund sind manuelle und intransparente Prozesse in der Zusammenarbeit zwischen OEM und Zulieferer. In vielen Fällen sind die Arbeitsprozesse nicht ausreichend digitalisiert und automatisiert, der End-to-End-Workflow zwischen einem OEM und seinem 1st-Tier-Lieferanten oder über die gesamte Lieferkette bis hin zum n-Tier-Lieferanten ist nicht realisierbar. Auch die fragmentierte Systeminfrastruktur und das Fehlen einer sicheren und zuverlässigen Verbindung zwischen kritischen Systemen über Unternehmensgrenzen hinweg spielen hier eine wichtige Rolle. Dies führt zu einer inkonsistenten Datenbasis und verhindert eine einheitliche Datensicht für alle Beteiligten. Darunter leiden vor allem die Zulieferer, da sie bei der Prozessoptimierung oft stark vom OEM abhängig sind und langwierige, aber ressourcenintensive Prozesse mit dem OEM eine effiziente Koordination der Unterlieferanten nahezu unmöglich machen. Langwierige manuelle Prozesse und unzusammenhängende Arbeitsabläufe erhöhen zudem das Risiko fehlgeleiteter und missbräuchlich verwendeter Daten und verhindern eine nicht manipulierbare Erfassung dessen, was wann, wo und an wen gesendet wurde, was ein enormes Sicherheitsrisiko darstellt.

Unternehmensübergreifende Zusammenarbeit für das 21. Jahrhundert

Was wir brauchen, ist ein Ansatz, bei dem dezentrale Organisationen und Systeme miteinander verbunden werden, so dass Informationen nahtlos zwischen den verschiedenen Akteuren fließen können. Die Datenhoheit und Entscheidungsfindung muss den jeweiligen Mitwirkenden überlassen bleiben, aber die dringend notwendige Transparenz muss allen Beteiligten zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus bedarf es eines Kollaborationsinstruments, das die Koordination zwischen allen Beteiligten auf einer einheitlichen Datensicht unterstützt. Dazu gehören eine workflowbasierte und eine regel- und prozessgesteuerte Zusammenarbeit sowie die Möglichkeit, Informationen zu verschiedenen Themen in gesicherten Projekträumen auszutauschen. Ein Standard wie ReqIF kann nur dazu beitragen, die Schnittstellenprobleme zwischen den Systemen zu entschärfen, aber er ist keine Garantie für eine effiziente und gut koordinierte Zusammenarbeit.

Cesonia als offene Anwendung technology platform ermöglicht eine sichere, effiziente und datengesteuerte Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg. Als nicht-Cloud-basierte Plattform basiert sie auf einem dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerk und ermöglicht einen durchgängig verschlüsselten Datenaustausch sowie eine vollständige Rückverfolgbarkeit aller Aktivitäten dank Blockchain-Integration. Eine einheitliche Benutzeroberfläche unterstützt zudem ein "single point of truth" und stellt Funktionen für die Zusammenarbeit und Koordination zur Verfügung. Dies trägt zur Leistungssteigerung bei und schützt wertvolles geistiges Eigentum.

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2 Anmerkungen

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